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Little Bay Island

Es nieselt und ist neblig, null Wind und wir motoren aus dem Hafen von La Scie. Molly und Christopher winken am Steg. Wir werden uns wieder treffen - hoffentlich!

wieder einmal Nebel und Nieselregen
wieder einmal Nebel und Nieselregen

Kaum sind wir ums Eck, schnauft es dicht neben uns und zwei Buckelwale tauchen immer wieder auf. Wir nähern uns vorsichtig und lassen uns treiben. Schweigend beobachten wir die beiden wie sie immer wieder hoch kommen, prustend ausatmen und wieder elegant abtauchen. Das Schauspiel wird nicht langweilig.

Der Nebel verzieht sich und wir laufen in Little Bay Islands sogar bei Sonnenschein ein. Wieder einmal ein aufgelassener Outport. Little Bay Island ist ein wunderbarer Naturhafen, der einst große Bedeutung in der Gegend hatte.

Heute ist davon nichts mehr zu sehen. 2019 verließen die letzten 55 Einwohner den Ort, nur zwei Menschen blieben und leben weiterhin das ganze Jahr über hier. Die Fischfabrik sperrte zu, die Fährverbindung wurde eingestellt, Strom abgedreht. Die beiden verbliebenen Bewohner leben völlig autark. Einige ehemalige Einwohner kommen im Sommer zurück, manche haben sich dafür Trailer auf die Insel gebracht, weil die alten Häuser langsam verfallen. 

Leider wirkt der Ort stellenweise etwas vergammelt. Autowracks und Gerümpel liegen herum. 

Manches ist aber auch liebevoll gepflegt.

Besuchende Yachten sind sehr willkommen. Der Anlegesteg ist noch gut in Schuss und sehr einladend  mit Griller, Picknickplatz und Bankerl. Wenn man wollte, könnte man auch duschen - allerdings eiskalt....

Die einstige Kirche ist ein Friendship Center mit kleiner Bilderausstellung.

Michael - ein wandelndes Geschichtsbuch
Michael - ein wandelndes Geschichtsbuch

Wir treffen Michael und er erzählt uns von der Geschichte dieses Ortes. Er verbringt hier seit 20 Jahren fast das ganze Jahr, nur von November bis März ist es ihm zu kalt.

 

Er kommt vom Hundertsten ins Tausendste: die Trailer gefallen ihm gar nicht aber es gibt hier quasi kein Gesetz - daher auch das viele Gerümpel. Tratscht ein bisserl über seine Nachbarn - wir können ihm gar nicht richtig folgen, weil er eine Geschichte mit der nächsten verwebt und dabei dutzende Namen nennt... Er betont aber vor allem die große Hilfsbereitschaft und den Zusammenhalt der Community. Dann zeigt er auf das größte rote Haus im Ort. Dieses Haus stand nicht immer da - es stand auf der anderen Seite der Bucht. Als es dem Bewohner dort zu einsam wurde, hat er es einfach quer über die vereiste Bucht gezogen und mitten im Ort neu aufgestellt.

das große rote Haus rechts im Bild, stand einst ganz links an der Hafeneinfahrt
das große rote Haus rechts im Bild, stand einst ganz links an der Hafeneinfahrt

Dieses "Häuser versetzen" ist gar nicht so ungewöhnlich in Neufundland. Es wird immer wieder in Romanen und Berichten erwähnt. Die Häuser werden entweder auf Flöße gesetzt und übers Meer gezogen oder im Winter über das Eis. Das ist kein Scherz und wird immer noch praktiziert.