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Absegeln und Winterplatzerl

Einzelne Laubbäume haben schon ihr knallrotes Herbstgewand angelegt, Morgen- und Abendlicht tauchen alles in ein wunderschönes warmes Licht. Der berühmte Indian Summer kündigt sich an. Die Tage sind noch lang und fast sommerlich warm.

Mit dem überaus sanft ausklingenden Sommer, geht auch unser aktuelles Abenteuer zu Ende. Es ist unverkennbar, dieser Törn hat seinen Endpunkt gefunden - auch in unseren Köpfen. Denn die Gedanken kreisen nicht mehr darum, welches Ziel wir als nächstes anlaufen, sondern primär darum, einen guten Winterplatz für unsere brave Stravanza zu finden. Die Wahl fällt auf den Shining Waters Boatyard in der Nähe von Halifax.

 

Stravanza kommt an Land und wir stürzen uns in die Arbeit, sie winterfest zu machen.

die Winter in Kanada sind seeeehr kalt!
die Winter in Kanada sind seeeehr kalt!

Alles, was einfrieren könnte, wird ausgeräumt und kommt in die "dry storage". Segel, Sprayhood, Bimini werden verstaut bzw. werden beim Segelmacher überwintern. Wir putzen, räumen, ordnen, misten aus wie die Verrückten. Dazwischen werden kleine Reparaturen erledigt. Überall Werkzeug. Baustelle. Chaos. Unbequem.


Wir stehlen uns eine kleine Auszeit vom Chaos an Bord. Bei strahlendem Sonnenschein gönnen wir uns an der Waterfront von Halifax, die letzte Lobster Roll der Saison. Die Dinger haben ihren Preis, sind aber unglaublich gut.

Am Ende "zupfen" wir auch noch den Mast, weil wir der leichten Korrosion an seinem Fuß auf den Grund gehen wollen. Nicht, dass da ein Megaschaden dahinter steckt...

Es stellt sich heraus, dass wir anscheinend Untermieter hatten. Mäuse? Vögel? Jedenfalls sind sie ausgezogen, haben ihre  "Wohnung" aber nicht geräumt und ein veritables Nest hinterlassen. Das ist dem Mast nicht gut bekommen. Zum Glück aber nichts, was nicht repariert werden kann.

Irgendwann ist alles fertig, die Taschen sind gepackt und es bleibt nur mehr auf das Taxi zum Flughafen zu warten.  Ich bin so stolz auf dieses robuste, starke Boot, das wir unser Eigen nennen dürfen und, das uns durch Wind und Wellen sicher hierher gebracht hat. Jetzt lassen wir sie einfach hier stehen . Sie schaut ein  bissi verloren, fast vorwurfsvoll aus. Ich weiß schon, Stravanza ist nur ein Boot, kein Mensch aber sie ist unser schwimmendes Zuhause und für mich ist sie unsere treue Gefährtin

Stravanza schaut ein bisserl verloren aus, so ohne Mast...
Stravanza schaut ein bisserl verloren aus, so ohne Mast...
letzter Sundowner noch im Wasser. Dankbar, stolz, zufrieden und happy!
letzter Sundowner noch im Wasser. Dankbar, stolz, zufrieden und happy!

Was für eine tolle Tour wir in unser Kielwasser geschrieben haben! Von der Bretagne über die Azoren, nach Madeira und zu den Kanaren, dann über den Atlantik, durch die Karibik nach Nova Scotia, Labrador und rund um Neufundland. So viele Bilder, so viele besondere Momente in unseren Köpfen! Viele, viele gute aber auch einige herausfordernde Tage auf See haben wir drei gemeistert und erleben dürfen.


Beim Besteigen des Fliegers, bin ich mir gar nicht sicher, ob ich mich jetzt auf die Zeit in Österreich freue oder ich nicht doch lieber wieder sofort zurück zur Stravanza will, sie so schnell wie möglich wieder ins Wasser "schmeißen" und Segel setzen möchte. 

 

P.S. spätestens als wir am Flughafen in Wien, Anna in unsere Arme schließen konnten, hat sich große Vorfreude auf Zeit mit Familie und Freunden durchgesetzt ;-)