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Saisonstart mit Sandstrahlen

Der kanadische Winter meint es gut mit uns – zumindest wenn man auf sibirische Verhältnisse im Frühjahr steht. 

Mitte April noch kein einziges Blatt an den Bäumen...
Mitte April noch kein einziges Blatt an den Bäumen...

Wir sind zurück auf der Stravanza in Shining Waters Boatyard bei Halifax. Es ist Mitte April und der Winter hat Nova Scotia noch fest im Griff. Morgens besteht der erste Handgriff darin, den festgefrorenen Niedergang frei zu rütteln. Im Skitourenoutfit geht's dann ins zum Glück gut geheizte Bad der Marina. Die Stravanza hockt einsam in der Kälte. Wir sind im „Ankomm-Modus“ und kommen nur langsam in die Gänge.

Stravanzas Winterplatzerl
Stravanzas Winterplatzerl

Es geht aber gleich mit Vollgas los: Ganz unerwartet tut sich ein tolles Angebot auf und wir können hier endlich das Unterwasserschiff der Stravanza sehr günstig und unproblematisch sandstrahlen lassen! Um die umliegenden Boote vor Sand und Schmutz zu schützen, zimmern wir im strömenden Dauerregen ein stattliches Zelt um das Boot. Stolz blicken wir auf unser Werk. 

In der Nacht vor dem großen Sandstrahltag zieht ein heftiger, völlig unangekündigter Sturm auf. Am Morgen legt der der Wind noch einmal mehr zu, schickt zwei Hammerböen. Danach bietet sich ein Bild des Jammers: Das Zelt ist Geschichte, Planenreste hängen in den Relingsstützen. Zum Glück haben die davon fliegenden Holzpfosten niemanden verletzt.

Kurz nachdem das Zelt weg ist, trifft Greg mit schwerem Gerät ein, um mit dem Sandstrahlen zu starten.

Schon im Vorfeld des Projekts, konnten wir feststellen, was für ein absolut „funny character“ Greg ist. Zeitpläne einhalten? Unmöglich. Strukturierte Planung? Ein Fremdwort! Aber klar ist, dass er und seine Arbeit schlicht funking awesome“ sind. Alles in allem ist er aber ein sympathischer Chaot, dem dann doch noch immer eine Lösung einfällt. Und heute ist er sogar auf die Minute genau pünktlich und will gleich starten. Als wir besorgt anmerken, dass wir ohne Schutzzelt im Staub versinken, winkt er nur ab: No tent needed. The storm is gonna blow everything away anyway!“

Er behält recht. Der eisige Wind fegt die Staubwolken sofort über die einsame Werft hinweg ins Nirgendwo. Greg steckt in einem fetten Schutzanzug samt Helm und sieht aus wie ein Astronaut auf dem Mond.  

Funking awesome Greg
Funking awesome Greg
Bodenstation Ingrid und Robert
Bodenstation Ingrid und Robert

 

Wir übernehmen die Bodenstation: Gregs Sauerstoffzufuhr muss permanent beobachtet werden und es  muss laufend Sand nachgefüllt werden. Nach jeweils zwei Stunden harter Arbeit im Stehen, im Liegen oder kniend, nimmt Greg seinen Helm ab, trinkt einen Schluck Wasser, raucht eine halbe Zigarette, motiviert sich selber mit einem herzhaften „I’m funking awesome!“, setzt den Helm wieder auf und strahlt weiter.  

Zwei Tage lang geht das so. Zwei Tage lang bläst der Wind wie verrückt, verträgt Sand und Dreck als wäre es so geplant. Die Werft drückt ein Auge zu, „You can only do as much as you can.“ und lässt uns gewähren. 

Das Ergebnis ist genial – das Unterwasserschiff glänzt wie neu. Wir freuen uns unbändig und verpassen dem Rumpf gleich sechs Anstriche mit Epoxy. Ruhe für die nächsten 20 Jahre!

Stravanza mit ihrem neuen Unterteil
Stravanza mit ihrem neuen Unterteil

Aber wir sind noch lange nicht fertig!